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Smart Metering und Rollout

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Lernen vor Leisten: erfolgreiche Innovationsstrategien für den Smart Meter Rollout

24.08.2015 -

Die Energiewende ändert in bisher ungekanntem Tempo die Rahmenbedingungen für viele Geschäftsfelder der Energiewirtschaft, auch im Bereich des Messwesens. Um Innovationen in einem solchen Umfeld von hoher Ungewissheit zu entwickeln, benötigt man besondere Innovationsstrategien. Denn Innovationsstrategien für neue oder sich stark ändernde Märkte unterscheiden sich grundsätzlich von Innovationsstrategien für etablierte Märkte.

Bei etablierten Märkten sind Kunden und Geschäftsmodelle, Wettbewerber und Wettbewerbsprodukte weitestgehend bekannt. Technische Innovationen verbessern z.B. den Wirkungsgrad oder die Leistungsfähigkeit einer Anlage. Prozessinnovationen verbessern die Kostenstruktur oder Skalierungsfähigkeit einer Dienstleistung. Die grundlegenden Strukturen des Geschäftsfelds oder des Geschäftsmodells werden allerdings nicht verändert. Entsprechend eignen sich hierfür die in den EVU und Stadtwerken gut etablierten, eher „leistungsbasierten“ Innovationsstrategien, wie z.B. der Stage-Gate-Prozess. Kennzeichen dieser Innovationsstrategien sind lineare Prozessphasen, relativ belastbare Business Pläne, planbare Meilensteine und messbare Projektfortschritte.

Junge bzw. sich stark ändernde Märkte hingegen haben grundlegend andere Voraussetzungen. Bei diesen Märkten sind Kunden und Geschäftsmodelle, Produkte, Partner und Prozesse vielfach noch unbekannt. Man kann hierzu allenfalls Thesen oder Annahmen formulieren, marktbasierte Fakten fehlen in der Regel. Unternehmen agieren also hier unter einer hohen Ungewissheit. In einem Umfeld von hoher Ungewissheit ist aber die oberste Maxime nicht, möglichst effizient zu leisten, sondern möglichst effizient zu lernen, also möglichst schnell und mit möglichst geringem Aufwand herauszufinden, welche der Thesen der Innovation belastbar sind, also in Fakten überführt werden können, und welche adaptiert werden müssen.

Lernprozesse folgen allerdings grundlegend anderen Regeln als Leistungsprozesse, denn bei Lernprozessen sind die Ergebnisse kaum planbar, Zeitaufwand und Ressourcenbedarf nur schwer abschätzbar und Lernerfolge nicht mit den üblichen Leistungsindikatoren messbar. Bei Geschäftsfeldern mit hoher Ungewissheit steht also im Zentrum der Innovationsstrategie das Management von effizienten Lernprozessen. Erst wenn ausreichend Fakten gewonnen wurden, kann eine Innovation mit den üblichen, leistungsbasierten Strategien und Prozessen skaliert werden.

Welche Innovationsstrategie ist nun für das Messwesen erforderlich? Manche Verantwortliche gehen davon aus, dass die langjährig etablierten Prozesse und Werkzeuge im Wesentlichen ausreichen oder nur etwas adaptiert werden müssen, da ja nur ein Teil des Zählerparks von den neuen Regelungen betroffen sind. Auch stehen für die Einführung ja einige Jahre zur Verfügung. Genügend Zeit also, um sich dem Thema erst dann anzunehmen, wenn es absolut erforderlich ist.

Verantwortliche, die sich bereits näher mit den Herausforderungen beschäftigt haben, erkennen allerdings, dass durch die Einführung der Smart Meter komplexe neue Prozesse und Geschäftsmodelle entwickelt und implementiert werden müssen. Allein die Planung eines kosteneffizienten Rollouts ist eine hochkomplexe Aufgabe, die in dieser Form bisher noch nicht bewältigt werden musste. Dabei müssen die Altersstruktur und geographische Verortung der Geräte, die Kundenstruktur anhand der im Gesetz vorgegebenen Verbrauchsgrenzen, die Lieferkapazitäten der gewünschten Hersteller, die Verfügbarkeit und Montagekapazitäten der Monteure sowie die Erlösmöglichkeiten so aufeinander abgestimmt werden, dass über mehrere Jahre planbar möglichst geringe Kosten entstehen. Sind die Prozesse und Akteure nicht optimal aufeinander eingestimmt oder können Planabweichungen nicht adäquat berücksichtig werden, können sehr schnell enorme Mehrkosten entstehen, die die Unternehmen belasten und aufgrund der Kostenobergrenzen nicht weitergegeben werden können. Weiterhin müssen bereits für die Planung sowie später im Rahmen der Implementierung die Schnittstellen zu unzähligen IT-Systemen mit einander verbunden und erprobt werden.

Fazit: Den Smart-Meter-Rollout mit etablierten Werkzeugen und Prozessen bewältigen zu wollen, ist hoch riskant. Um dies zu vermeiden, braucht es eine Kombination von zwei Innovationsstrategien:

  • Eine möglichst frühe, lernbasierte Innovationsstrategie zu Beginn des Rollout-Prozesses mit einem fundierten Planungsprozess sowie einer ausreichen großen Lernphase, um möglichst schnell und mit geringem Ressourcenaufwand herauszufinden, wie Partner, Prozesse und Systeme optimal aufeinander abgestimmt werden können.
  • Dann im Anschluss eine leistungsbasierte Innovationsstrategie, um mit möglichst geringen Kosten und belastbaren Business Plan den Rollout zu skalieren.

Also kurz gesagt „Lernen vor Leisten“. Ohne frühes „Lernen“ wird das spätere „Leisten“ sehr teuer und riskant.


Autor

Dr. Harald Schäffler, Geschäftsführer schäffler innogy

www.schaeffler-innogy.de